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ISSN: 1869-6880

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Call for Papers

CALL FOR PAPERS
Third issue: 15 dec 2010
Main topic: Bodies of Cult – Cult of the Body

Final paper submission deadline: 31 oct 2010

It's also possible to submit papers with themes apart from the main topics.

CALL FOR PAPERS
für die kommende dritte Ausgabe
2/2010 (Erscheinungstermin: 15. 12. 2010)
Themenschwerpunkt: „Kultkörper und Körperkult
“ (Informationen dazu in IZPP 1/2010)
Abgabe Deadline 31. 10. 2010

Zum Themenschwerpunkt „Kultkörper und Körperkult“
In der Körperlichkeit findet der Mensch seine existenzielle Erfahrung: Er spürt, dass er ist. Der Körper macht diese Erfahrung nicht nur in der Berührung mit sich selbst, sondern auch bzw. damit untrennbar verbunden in der Berührung mit der Welt. Seine Welterfahrung ist von seiner Selbsterfahrung nicht zu trennen: Er fühlt sich selber von Beginn an immer im Kontakt mit seiner jeweiligen weltlichen Umgebung. In diesem Kontakt wird die weltliche Berührung zu „meiner“ Berührung, in der „ich“ von „meiner“ Erfahrung spreche. So sehr der Körper ein von außen beschreibbares Objekt ist, so sehr ist er in seiner immer einzigartigen Welterfahrung ein Speicher umfassender subjektiver und individueller Erfahrungen. Mit diesem Spannungsbogen werden „Psyche“ und „Soma“ als unterschiedliche Aspekte einer grundlegenden psychosomatischen Einheit menschlicher Existenz bereits mehr als nur angedeutet.

Die empirisch geprägten Naturwissenschaften sind in den letzten Jahren der Körperlichkeit „zu Leibe“ gerückt. Gerade in den Neurowissenschaften wird Psychisches als Körperliches, nämlich als Funktion des Gehirns aufgefasst und erforscht. Eine intensive Beschäftigung mit den Funktionsweisen des Gehirns, aber auch die unübersehbaren Erfolge dieser Forschungen, können dabei zur Akzeptanz materialistisch-monistischer Weltanschauungen beitragen: Ich „bin“ dann der Körper.

So sehr eine Wahrnehmung des Menschen in seiner psychosomatischen Einheit wünschenswert erscheinen mag, liegt in einer Verwischung der Blickwinkel jedoch die Gefahr, Subjektives als objektiv zu verstehen. Körperlichkeit kann dann mit dem Anspruch auftreten, mehr als nur Ausdruck des Psychischen zu sein, da dieses ja Körper ist. Dem Körper kommt so eine neue Bedeutung zu, die das Psychische einschließt – mit allen damit verbundenen Konsequenzen.

Vielleicht ist es Zufall, dass die zunehmenden Auswirkungen naturwissenschaftlichen Fortschritts einerseits mit einer Veränderung der gesellschaftlichen Präsenz des Körperlichen andererseits einhergehen. Die Einflüsse naturwissenschaftlicher Ergebnisse auf die in der jeweiligen Gesellschaft vertretenen Weltanschauungen sind allerdings grundsätzlich unübersehbar: In technisierten Gesellschaften treten etwa traditionelle religiöse Überzeugungen, deren Glaubensinhalte auf dualistischen Grundannahmen beruhen, zunehmend in den Hintergrund. Eine Beschäftigung mit Kult und Körper bei Naturvölkern kann bestätigen, wie sehr Weltanschauungen und gesellschaftlich verankerte Überzeugungen den Umgang mit dem Körper prägen.

Aus dieser Sicht heraus erscheint es doch sehr unwahrscheinlich, dass unser Verhältnis zur Körperlichkeit ausgerechnet von der Verbreitung materialistisch-monistischer Haltungen gänzlich unbeeinflusst bleiben könnte.

Der Körper tritt dabei nicht nur medial immer weiter in den Vordergrund. Er wird auch vom Einzelnen immer öfter in einer Weise aus dem Privaten ins Öffentliche hinausgetragen, die einer Aufwertung des Körpers zum „ganzen Ich“ zu entsprechen scheint: Neben den Akzentuierungen der Modeindustrie können auch nachhaltiger wirksame Eingriffe am Körper wie Piercing und Tätowierungen als Ausdruck solcher Art von Körperlichkeit gedeutet werden: Der Körper selber ist Charakter, weil der Charakter Körper ist.

Eine solche Deutung jedoch kann weder alle modernen Erscheinungsweisen des Körperlichen erschöpfend erklären, noch ist sie in irgendeinem Sinne wertend gemeint. Dass der Umgang mit dem Körperlichen dabei durchaus kultigen Charakter annehmen kann, soll mit dem Titel des Schwerpunktthemas deutlich werden.

In der heutigen Umgangs- und Alltagssprache wird der Begriff „Kult“ zwar nicht mehr nur auf Religionen und deren rituelle Handlungen bezogen. Vielmehr wird er in wertdistanzierender Weise für ‚religiös‘ konnotierte Erscheinungen innerhalb des popkulturellen Raumes verwendet.

Die rituellen und kultischen Elemente mythisch orientierter Religionen, die das Heil in der Vergangenheit und ihrer Weiterführung in der Gemeinschaft mit den Ahnen sehen, scheinen aber vor dem Hintergrund der Entwicklung der modernen Gesellschaft und ihrer Individualisierung genauso wenig zu überzeugen wie die durch die Wiederholung tradierter Abläufe bei gleichzeitiger Zeitdistanziertheit ausgezeichneten religiösen Kulte und Rituale.

So liegt der Gedanke nahe, dass das „Kultige“ etwas von dem ersetzen soll, was religiöses Ritual und religiöser Kult nicht mehr leisten. Allerdings fällt hierbei auf, dass die modernen Kulte sich hinsichtlich Dauer und Nachhaltigkeit in ihrer Praxis erheblich von dem traditionellen Begriff des Kultes unterscheiden: Die kultigen Handlungen und ihre inhaltliche Ausrichtung sind zu kurzlebig, um als wirklich rituell zu gelten. So scheint das durch Beliebigkeit ausgezeichnete Symbolsystem der Moderne sich den Konsequenzen einer geschichtlichen Kontinuität entziehen zu wollen. Der moderne Kult ist auf die gegenwärtige Praxis und ein sichtbares Ziel hin angelegt. Ob dies paradigmatisch als Ablösung von der Verantwortung für die gelebte Geschichte zugunsten einer Zukunftsorientierung verstanden werden kann, darf angesichts der Kurzlebigkeit der Phänomene allerdings bezweifelt werden. Der Kultkörper etwa tritt meist schon deutlich vor seiner eigenen Sterblichkeit schlicht in Anbetracht wandelnder Wunschbilder wieder zurück in die Bedeutungslosigkeit. Wenngleich manch ein Körperkult dauerhafte Narben hinterlässt, ist er doch oft eher Ausdruck einer Betonung des Gegenwärtigen als einer Zukunftsorientierung oder gar einer Zukunftsverantwortung.

Neben dem Verständnis des Körperkults vor dem Hintergrund einer materialistisch-monistischen Weltanschauung und in seiner Gegenwarts-Bezogenheit rückt im körperlich sichtbaren Streben nach Darstellung eigener Individualität aber auch die Frage der Identität in den Vordergrund. Während transzendente Gewissheiten zu bloß optionalen Möglichkeiten werden und die alten Symbole ihre überindividuell identitätsstiftende Geltung einbüßen, bemüht sich der Einzelne nun darum, seine Identität ohne den transzendenten Begriff von „Seele“ selbst ‚herzustellen‘ und im Medium des eigenen Körpers zu inszenieren.

Welche Bedeutung ein solcher Kult für den Einzelnen gewinnen kann wird deutlich, wenn dieser im Einzelfall unter Aufopferung der psychischen Gesundheit mit dem eigenen Leben erkauft werden muss. Neben den allgegenwärtigen Angeboten zur Gewichtsregulation und Schönheitsoperationen kann dann auch Extremsport, Anabolikakonsum und Doping als Körperkult im Sinne eines individuell unverzichtbar erscheinenden „Heilswegs“ deutlich werden.

Abschließend lässt sich nun fragen, welche Beziehungen zwischen Mythos, Ritus und Kult im Hinblick auf Erkrankung und Gesundung des ganzen Menschen bestehen und welche Aus- und Abblendungen wir zu zahlen bereit sind, wenn an die Stelle des Kults im ursprünglichen Sinne das Kultige tritt. Wird solche Sinnsuche nicht zur Sinnsucht, also quasi krankhaft, wenn sie das eigene Selbst mit all seinen Schwächen und Makeln im körperlichen Martyrium bis an die Grenze körperlicher und seelischer Gesundheit zu läutern versucht?

Dies lässt sich kontrovers diskutieren, und so ist der mögliche Rahmen für Publikationen angedeutet, ohne damit ausgeschöpft zu sein. Wir sind neugierig auf die eingesendeten Manuskripte. Ausdrücklich freuen wir uns auch über kürzere Beiträge, etwa im Sinne von Rezensionen, Filmkritiken, Ausstellungsberichten oder dgl., die mit dem Thema korrespondieren, deren Rahmen überschaubar bleiben kann und nicht den umfangreicheren Autorenrichtlinien für Originalarbeiten entsprechen muss.

Darüber hinaus werden auch einige Manuskripte zu anderen Fragen im Grenzgebiet zwischen Philosophie und Psychosomatik angenommen, sofern diese der Zielsetzung der Zeitschrift entsprechen.

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Herausgeber der Zeitschrift,
Herrn Dr. Joachim Heil oder Herrn Dr. Wolfgang Eirund.